Show
«le cours des choses» ist die 34. Produktion des Zirkus Chnopf mit fünf Profis, und sechs Jugendlichen und jungen Artist:innen zwischen 15 und 21 Jahren.
Seit 1990 ist der Lauf der Dinge vom Zirkus Chnopf im Gange. Damals wurde eine Kettenreaktion ausgelöst, die bis heute aktiv ist und so gibt es auch dieses Jahr wieder eine Produktion, mit vielen neuen Gesichtern auf und hinter der Bühne.
Jedes Jahr kreieren wir eine neue Welt an der Schnittstelle zwischen Zirkus, Tanz und Musik. Wie in einer verzahnten Maschine müssen dafür alle Räder zusammenspielen. Doch was passiert, wenn plötzlich eine:r aus der Reihe tanzt? Wenn ein Rädchen frei drehen will und die Maschine aus dem Takt kommt? Auch im Zirkus Chnopf stehen wir manchmal vor scheinbar unlösbaren Aufgaben, doch schaffen wir es immer wieder, mit Humor und Kreativität, dem Lauf der Dinge zu vertrauen. Und manchmal hilft auch ein kreativer Kurzschluss, um die ganze Maschine wieder zum Rollen zu bringen. In diesem kollektiven Zusammenwirken kann Einzigartiges entstehen.
Tournee
16 Plätze 24. Mai – 7. September 2024
BADEN Werkk Alte Schmiede – ZÜRICH Festival Blickfelder – OLTEN Schützi LUZERN universum.inseli – LANGNAU 7. Langnauer Zirkusfestival – BERN Holligen Park – BIEL/BIENNE Neptunwiese – SOLOTHURN Kreuzackerplatz – SOUBOZ – LAJOUX – ST-URSANNE – BASEL Station Circus – USTER Stadtpark – WINTERTHUR Viehmarkt – ZÜRICH Josefwiese – ZÜRICH Zirkusquartier, Festival ZirQus
Am Anfang dieser Produktion stand die faszinierende Installation Der Lauf der Dinge von Fischli&Weiss, die als erster Impuls, als initialer Fingerstupser sozusagen, diesen Kreationsprozess in Bewegung setzte. Die ersten Ideen für Le cours des choses kamen ins Rollen.
Wie gut, dass wir die Endprobenzeit und die ersten Vorstellungen weiterhin mit schützendem Dach proben konnten. Ein herzliches Dankeschön an das ThiK Theater im Kornhaus und das Werkk Baden für die Gastfreundschaft. Durch das eher unerfreuliche Wetter wurden die heissen Brunnen von Baden für viele zu einem festen Bestandteil ihrer Tagesroutine und halfen uns, gesund durch die intensive Endprobenzeit zu kommen. Und dann war sie endlich da: die mit Spannung erwartete Premiere, gefolgt von einem grandiosen Konzert vom Tzupati Orchestra. DJ Yusuf Findus sorgte bis spät in die Nacht für ausgelassene Tanzstimmung, während an der Bar nicht nur Getränke, sondern mit etwas Glück auch noch eine spontane Totemügerli-Rezitation für staunende Gesichter sorgte. Die nächste Etappe der Tournee führte uns wieder zurück nach Zürich, wo uns das Festival Blickfelder willkommen hiess. Doch der Empfang war leider auch ziemlich nass und der erste Aufbau im Regen und mit Schwerlastmatten, um den Rasen zu schützen, forderte unser Team heraus. Auch in den folgenden sieben Wochen blieb das Wetter anspruchsvoll und zeigte sich erstaunlich konstant.
Damit möglichst wenige Vorstellungen aufgrund falscher Vorhersagen abgesagt wurden, entwickelte sich Kone zum absoluten Wetter-(App)-Prognosen-Profi. Mit akribischem Vergleich des essenziellen Sprungs im Regenradar zwischen Realität und Prognose. Next Level!! Die Aare in Olten führte dann auch zuviel Schwemmholz, um darin abzutauchen. Ein unangekündigter Platzregen erwischte uns mitten in der Vorstellung am Sonntag. Und so wurde die fleissig geübte erste Abmoderation von Katharina in eine improvisierte Ansage umgewandelt.
In Luzern konnten wir direkt am See spielen und wurden am Sonntag von Besucher:innen überrannt. Nächster Halt: Langnau! Gemeinsam mit Tobi und Finn, Gilbert & Oleg, Troubadix, çiçek taksi und der legendären Rollschuhdisco konnten wir das 7. Langnauer Zirkusfestival auf dem Viehmarkt bespielen. Die wöchentlichen Inszenierungsfotos von Annik zeigten neue Perspektiven auf das Stück und machten sichtbar, wie die unterschiedlichen Umgebungen Teil der Inszenierung werden. Die zwei Standorte in Bern forderten uns logistisch nochmals heraus. Doch wie wohltuend in der grünen Anstadt zu wohnen! – und der neu umgebaute Holligenpark, wo unsere Bühne stand, hat definitiv Kultpotential. Hier erlebten wir am Sonntag unsere bestbesuchte Vorstellung dieser Tournee, als etwa 900 grosse und kleine Zuschauer:innen uns mit viel Applaus dankten.
Weiter ging es über Biel nach Solothurn, das uns eine kreative 5-minütige Live-Übertragung bei Schweiz Aktuell von SRF brachte, denn an eine reguläre Vorstellung war bei diesem Regen nicht zu denken. Wir liessen uns nicht unterkriegen und improvisierten mit grossem Einsatz des ganzen Teams. Anschliessend führte uns die Reise in den entschleunigten Jura. Das welsche Flair und die regionalen Produzent:innen gaben der saisonalen Küche unseres französischen Kochs Arnaud den letzten Schliff. Und spätestens jetzt begann auch unser Wetterglück. Auch das Team war nun beim Auf- und Abbau eingespielt – die Zahnrädchen griffen geölt ineinander. In Souboz wurden wir empfangen mit offenen Türen, Vorgärten,
durstigen Kehlen und spontanem Fondue kurz vor Mitternacht. Beim grandiosen Konzert von Kapsalon wurde so wild getanzt, dass der legendäre Place du Cirque Chnopf zu leuchten begann. Und in Lajoux besuchte uns ein Fuchs.
Diese Saison stand auch Basel wieder auf dem Tourneeplan: Station Circus öffnete uns mit viel Wärme die Tore. Hier vollbrachte Max einen Meisterstreich: nachdem der Motor des Lastwagens auf der Fahrt von St. Ursanne den Geist aufgegeben hatte, fand Max einen Ersatzmotor und passte diesen in vielen Stunden an. Am Sonntag tönte das Hupen über den Platz, er hatte es geschafft. Zeit für einen Ingwerer! Die weiteste Fahrt führte uns nach Uster, wo wir alle in den See eintauchten – oder ans andere Ufer schwammen. Auf dem Viehmarkt, dem neuen Platz in Winterthur, fühlten wir uns definitiv wohl. Auch in Zürich blieb es sonnig: bei den Nachmittagsvorstellungen auf der Josefwiese waren die heissen Temperaturen
eine Herausforderung für die elektronischen Geräte und die Artist:innen auf der Bühne. Die letzte Woche verbrachten wir dann wieder in unserem Zuhause, dem Zirkusquartier, wo wir am Festival ZirQus unsere Derniere feierten und im Anschluss unter der Brücke tanzten. Der Temperatursturz am nächsten Tag konnte uns somit nichts mehr anhaben.
Nach der Tournee
Das Showteam
Yeliz geht wieder normal zur Schule, doch nebenbei trainiert sie weiter an den Strapaten und am Kontrabass. Theaterwissenschaft und Genderstudies studiert Timea nun und recherchiert nebenbei in einem Performancekollektiv über violette Fluffigkeit. Zurück in Köln verfolgt Swantje eigene Kreationsprojekte und arbeitet daran, ihr Studium abzuschliessen. Sandro geniesst viel Zeit in den Bergen, hat mit der Cie.labounce ein Performance-Projekt gestartet und arbeitet Teilzeit als Musiklehrer und Zirkuspädagoge. Sanahé ist in Nordfrankreich, zog in einen schönen Caravan und zieht für den Zirkus durch Belgien, Frankreich und die Schweiz. Micaela reist in die Niederlande, nach Belgien und Italien für Residenzen und um Leute zu treffen, bevor sie von Dezember bis März Familie und Freunde in Chile besucht. Marine a le nez dans les livres und geniesst die Herbstsonne mit Freunden und Familie. Marc gewöhnt sich wieder ans Leben zuhause mit Partner und Mitbewohner:innen, während er künstlerische Residenzen für sein Zirkusprojekt Escorça konzipiert. Louan trainiert viel und bewirbt sich an einer Tanzschule. Er sucht zudem noch nach einem Trainingsraum in Bern, wo er jederzeit
trainieren kann. Lola nutzt den Winter zum Lernen und Trainieren, bis sie wieder auf der Bühne vom Chnopf stehen kann. Noch ist Julio in Zürich und arbeitet an seinen Projekten, aber nachdem er nun länger in Europa war, fliegt er bald nach Kolumbien, um seine Familie zu besuchen. Jano ist nun an der Ecole de Cirque de Lausanne und lernt dort neue Tricks und Französisch.
Die Menschen dahinter
Max baut an seinem neuen Feuerwehr-Wohnmobil und freut sich, nächste Saison als Bar-Verantwortlicher mit neuer Aufgabe auf Tournee zu gehen. Kone verbringt so viel Zeit wie möglich auf den Rollschuhen oder dem Glatteis. Arnaud ist zurück in seinen Bergen und wird die nächsten Monate velofahrend, rennend und skifahrend verbringen, während er sein nächstes berufliches Abenteuer organisiert. Annik verbringt ihren Winter an einem warmen und sonnigen Ort und wird danach vollgepackt mit schönen Erlebnissen in das nächste Chnopf-Jahr starten. Der Tank von Flo war nach zwei Jahren Zirkus fast leer, nun ist er in Sardinien am Meer. Lea zieht es in die weite Welt mit Autostopp, Schiff und den Füssen. David tanzt jetzt viel
Walzer. Katharina bestaunt die Herbstfarben vor dem Fenster, bevor sie ab Januar im Zirkusquartier arbeitet. Ida ist zurück in der Schule und hat mit Streetdance begonnen, während Mato endlich wieder ganz viel mit seinen Freund:innen spielen kann.
Ausblick 2025
Nach 12 Produktionen in den letzten 13 Jahren gönnen wir uns zum 35-jährigen Jubiläum eine Produktionspause. Diese kleine Verschnaufpause gibt uns Zeit, liegengebliebene Aufgaben aufzuarbeiten, uns auf anstehende Veränderungen vorzubereiten und mit frischer Energie die nächste grosse Produktion und Tournee 2026 anzugehen. Wie versprochen verschwinden wir jedoch nicht ganz von der Bildfläche: Im Sommer 2025 gibt es eine Wiederaufnahme von Le cours des choses.
Geplant ist eine verkürzte Tournee an bewährten Spielorten. Der Park im Kochquartier – das zukünftige Zuhause vom Zirkusquartier – der bereits im Frühsommer eröffnet wird, verspricht im Tourneeplan 2025 eine spannende Entdeckung zu sein. Im Team werdet ihr viele bekannte Gesichter sehen, aber neue Teammitglieder im Bühnenensemble sowie im Backstageteam sorgen für frischen Wind. Nach einem Jahr Pause ist glücklicherweise auch Polina wieder zurück in der Tourneeleitung. Wir freuen uns darauf!
Danke
Nach diesem intensiven Zirkus Chnopf-Jahr möchten wir uns bei allen bedanken, die zum Gelingen dieser Saison beigetragen haben: den Mitarbeiter:innen, Zivis und Jugendlichen, unseren Familien, allen Externen, den zahllosen Ehrenamtlichen, allen Gönner:innen, dem Vorstand, dem Revisor, den Stiftungen und öffentlichen sowie privaten Geldgeber:innen, der Stadt Zürich und allen Mitarbeiter:innen, Nachbar:innen und Bewohner:innen im Zirkusquartier in Zürich.
Die Menschen hinter Le cours des choses
Choreographie und Regie Johanna Sofia Heusser
Artistische Mitarbeit Marc Oosterhoff
Regieassistenz Andrina Frey
Musikalische Co-Leitung Roman Oskar Naef, Silvan Koch
Bühnenbild Marco Weber & Werkstattteam Zirkus Chnopf
Kostüme Ernestyna Orlowska
Ensemble Marc Bosch Mola, Micaela Castrillo Vargas, Sanahé Deruelle, Louan Duwan, Swantje Kawecki, Marine Künzli, Timea Rickenbacher, Jano Schorno, Yeliz Mai Sieger, Lola Luna Steinwart, Julio Adrián Yanes Melendrez, Sandro Zehnder
Im Hintergrund
Co-Geschäftsleitung + Saison-Leitung 2024 Konrad Utzinger, Polina Petushkova
Fundraising Andrea Grimm
Technik/Werkstatt Max Ihle, Lea Hunzinger, Florian Mühlemann
Kommunikation, Support Leitung & Bar Annik Lynn Vanal
Küche Arnaud Deshayes
Backstage David Speiser
Tourneekind Ida, Mato, Maurin
Extern
Jacques et Brigitte Design, Memi Beltrame Website, Mina Monsef & Andrin Winteler, Annik Vanal und Pirmin Balmer Fotos und Filme, K-Vis David Kunz Treuhand, Printoset GmbH Druckerei
Vorstand
Dave Sieger Stv. Präsident, Matthias Schoch Präsident (im Sabbatical), Julia Hofstetter, Marie-Anne Hafner, Nadine Tobler, Paul Weilenmann
Revision
Roland Scheibler